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Donnerstag, August 18, 2022
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Corona: Polizist in Angst – Polizeieinsatz in Wiesloch

Angst ist bekanntlich kein guter Ratgeber, wer Angst hat handelt irrational.

Die emotionale Belastung im Polizeiberuf ist nicht zu unterschätzen.

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Angst engt unseren Fokus ein. Angst lähmt uns. Anstatt alle verfügbaren Informationen über unsere Umwelt in der wir uns befinden, unsere Position darin sowie folglich alle Handlungsmöglichkeiten in dieser wahrzunehmen, schränken wir Menschen uns auf das Erkennen von Bedrohungen ein. Kommt Angst in’s Spiel ist rationales Handeln nur noch bedingt möglich. Dann heißt es: Verstand gegen Gefühl.

Der Polizeivollzugsdienst mit seinen spezifischen über allgemeine Dienstaufgaben hinausgehenden Anforderungen stellt erhöhte gesundheitliche Anforderungen an die Beamten. Ein unzureichend stabiler seelischer Gesundheitszustand bzw. unzureichende psychische Leistungsfähigkeit stellt ein Ausschlusskriterium dar.

„Der Polizeiberuf zeichnet sich durch personenbezogene Tätigkeiten und die intensive
Interaktion mit anderen Menschen aus. Zu den beruflichen Anforderungen
gehört eine professionelle Kommunikation, ein angemessener Umgang mit
Konflikten, ein besonderes Einfühlungsvermögen und die Bewältigung von emotional
belastenden Situationen.“ DGB

Was war geschehen?

Ein Polizeibeamter soll folgendes geäußert haben: „Wegen Menschen wie Ihnen ist meine Mutter gestorben!“ – Polizeieinsatz in Wiesloch aufgrund von mutmaßlichen Verstößen gegen die Corona-Rechtsverordnung.

Bei der Kontrolle eines Gastronomiebetriebes in Wiesloch soll ein Polizist laut Aussage des Gastronomen unverhältnismäßig gehandelt haben. Er habe mit der Anwendung von Gewalt gedroht, während sein Kollege professionell d.h. ruhig und gelassen gewesen sein soll.

Im Gastronomiebetrieb hielten sich, nach Angaben des Inhabers, neben zwei Betriebsangehörigen, die sich hinter einer Plexiglasscheibe befanden, drei Gäste auf welche ihre Bestellungen gerade abholen wollten. Ein einzelner Kunde sowie ein Ehepaar.

Der Streifenwagen kam mit Blaulicht angefahren, schildert der Gastronom mit Unverständnis. „Was wirft man mir denn vor? Soll ich eine Straftat begangen haben oder reden wir von einer Ordnungswidrigkeit?“ Weiter erklärt er: „Der Polizist behauptet der habe aus dem Auto heraus gesehen das jemand die Maske nicht ordnungsgemäß anhatte“.

„Eigentlich haben wir uns bisher immer sehr gefreut, wenn Polizeibeamte oder Mitarbeiter der Rettungsdienste unseren kleinen Gastrobetrieb besucht haben, um sich mit unseren Speisen zu stärken.“ so der Gastronom der nicht genannt werden möchte.

Als übertrieben und unverhältnismäßig empfindet er den Polizeieinsatz. „Die Behauptung des Polizisten, Menschen wie ich seien am Tod seiner Mutter schuldig“ empfindet er als Skandal. „Solche Menschen sollten nicht mit einer Schusswaffe bewaffnet sein“ so der Gastronom.

Häufige Konfliktsituationen

„Dass die Arbeit der Polizeibeamten mit Kunden oder Klienten oft schwierige Situationen umfasst, zeigen die Antworten auf die Frage, wie häufig es in der beruflichen Interaktion zu Konflikten kommt. Hier nehmen die Polizistinnen und Polizisten einen Spitzenrang ein: Mehr als die Hälfte der Befragten gibt an, dass sie sich in ihrem Beruf sehr häufig oder oft in Konfliktsituationen befindet. Der Wert liegt viermal so hoch wie für den Durchschnitt aller Beschäftigten. Auffällig ist, dass die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst insgesamt deutlich häufiger über Konflikte berichten (22 Prozent). In der Gruppe der Lehrerinnen und Lehrer berichten 37 Prozent darüber, dass sich sich sehr häufig oder oft in Konfliktsituationen befinden. Der höchste Wert wird mit 55 Prozent von den Polizeibeamten erreicht.“

Der Polizeiberuf ist hart, er geht auf die Gesundheit, die körperliche und die mentale. So heißt es im BKK Gesundheitsreport 2019: „Berufstätige, die bei ihrer Tätigkeit vor allem mit Menschen arbeiten, sind besonders häufig von Fehlzeiten aufgrund von psychischen Störungen betroffen (z.B. Sicherheits- oder Gesundheitsberufe).“ Im DGB-Index Gute Arbeit 2017 gaben 55 Prozent der befragten Polizisten an, oft oder sehr oft im Arbeitsalltag in Konflikte mit anderen Personen zu geraten. 82 Prozent klagten über respektloses Verhalten ihnen gegenüber.

Gegenseitiges Verständnis, respektvoller Umgang

Die Bürger in Uniform und das sog. polizeiliche Gegenüber müssen gegenseitiges Verständnis aufbringen und einen respektvollen Umgang miteinander pflegen.

Fürchtet ein Polizist um sein Leben wegen einer potenziellen Ansteckungsgefahr, sollte er ggf. eine besondere Schutzausrüstung tragen oder überdenken, ob der Polizeiaußendienst für ihn das richtige ist.

Polizei in Schutzausrüstung, Symbolbild, Notfallübung 2019

Stress und Bewältigungsstrategien im Polizeiberuf im Zusammenhang mit der Ermittlungstätigkeit bei Ordnungswidrigkeitsverfahren bezüglich Corona müssen gefunden werden. Eine qualitative Untersuchung sollte angestrebt werden.

„Der Psychologe und Professor der HfPol, Knut, Latscha hat – unter anderem auf Datenbasis von zwei Bachelorarbeiten, die an der HfPol entstanden sind – die Fragen analysiert, wie häufig Polizeibeamte an psychischen Erkrankungen leiden oder gelitten haben, wie hoch das Risiko eines Burn-outs ist und wie sich dies auch auf die Suizidalität auswirken könnte. Es zeigte sich, dass jeder fünfte Polizist an einer psychischen Erkrankung leidet oder gelitten hat und jeder dritte einem erhöhten Burn-out-Risiko ausgesetzt ist.“ Staatsanzeiger.

Die Polizei Baden-Württemberg halte das Thema „Psychische Erkrankungen bei der Polizei“ für wichtig und sei sich bewusst, dass das „bestehende hohe Niveau an Hilfsangeboten aufrechterhalten und ständig den aktuellen Entwicklungen angepasst werden muss“, teilt ein Ministeriumssprecher mit. Datenerhebungen zu psychischen Erkrankungen seien allerdings aus rechtlichen Gründen lediglich auf freiwilliger Basis möglich, zum Beispiel im Rahmen spezieller Studien, an denen Betroffene freiwillig teilnehmen. Zwar würden die der Heilfürsorge-Abrechnungsstelle zugehenden Mitteilungen über psychische Erkrankungen von Polizeivollzugsbeamten ein vollständiges Bild ergeben. „Eine statistische Auswertung ist jedoch mangels Rechtsgrundlage nicht zulässig“, sagt der Sprecher weiter.

Quellen:

Emotionale Belastung im Polizeiberuf – DGB

Hinweise und Selbsteinschätzung zur Polizeidiensttauglichkeit – BKA

Psychische Gefährdungen im Polizeidienst – DEUTSCHE POLIZEI

https://www.staatsanzeiger.de/staatsanzeiger/nachrichten/nachricht/artikel/ministerium-polizei-nimmt-psychische-erkrankungen-von-beamten-ernst/

https://www.gdp.de/gdp/gdp.nsf/id/DE_Psychische-Gefaehrdungen-im-Polizeidienst

Weiterführende Informationen:

Jedes Jahr gibt es in Deutschland 2.300 Ermittlungsverfahren gegen Polizeibeamte wegen gewaltsamer Übergriffe – und die Opfer haben kaum eine Chance auf Wiedergutmachung. Warum bleibt Polizeigewalt in Deutschland faktisch straflos?

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