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Samstag, September 25, 2021
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Tischlein deck’ Dich im Reilinger Eck

… für den Eichelhäher als Forstgehilfen

Wer durch den Schonwald Reilinger Eck streift, kann neuerdings zwei reichlich gedeckte Tische mitten im Wald entdecken. Bänke und Besteck sucht man vergeblich, denn die Gäste, die das Forstteam um Revierförster Gunter Glasbrenner anlocken möchte, benötigen diese nicht. Sie bedienen sich mit dem Schnabel und finden hier ihre Lieblingskost: Eicheln in Hülle und Fülle.

Verlockend: Eicheln in Hülle und Fülle …  die, die Kinder eifrig gesammelt hatten

Die Eichelhäher sind es, für die man diese Hähertische, nicht ohne Hintergedanken, installiert hat. 2020 war ein so genanntes „Mastjahr“, in dem außerordentlich viele Eicheln gebildet wurden, was nur etwa alle fünf Jahre vorkommt. Dank der nun reich gedeckten Hähertische wird der hungrige Eichelhäher zum tierischen Forstgehilfen. Denn einen Teil der gesammelten Eicheln vergräbt der Eichelhäher für den späteren Konsum vorsorglich in Hunderten von Verstecken. „Bis zu 5.000 Eicheln kann ein einziger Eichelhäher in einer Saison vergraben“, weiß Revierförster Glasbrenner. Von der Vergesslichkeit des Rabenvogels, der nicht alle Verstecke wiederfindet, profitiert der Wald, in dem die Sämlinge keimen können und der Wald sich verjüngt.

Im Reilinger Eck sollen mit Hilfe des Eichelhähers die stark geschädigten Kiefernwälder mit Eichen angereichert werden. Dank ihrer tiefreichenden Pfahlwurzel ist die Eiche eine Hoffnungsträgerin im Klimawandel. Sie kann sich, so Glasbrenner, in den zunehmend trockener werdenden Sommermonaten länger mit Wasser versorgen als andere Baumarten. „Eichen haben zudem die Fähigkeit, sich ans Klima anzupassen und sich nach Blattverlusten durch Trockenheit wieder zu regenerieren. So ist auch in Walldorf die Eiche die Baumart, die mit den letzten drei trocken-heißen Jahren am besten ausgekommen ist“, erklärt der Revierförster. Nachdem in Nordrhein-Westfalen seit zwanzig Jahren Forschung in Sachen der waldbaulichen Hilfe durch den Eichelhäher betrieben wird mit positiven Ergebnissen, ist man auch in Walldorf zuversichtlich, dass neue Eichen sprießen werden.

Hand in Hand

Damit der Eichelhäher die mühsame Saat übernimmt, arbeitete das gesamte Team des Forstreviers Hand in Hand. Waldpädagogin Sabrina Ehnert sammelte – natürlich coronakonform – im Herbst mit verschiedenen Kindergruppen rund zwei Zentner Eicheln. Sie konnte beobachten, dass die Kinder an der Aktion großen Spaß hatten, weil sie etwas Sinnvolles tun konnten. „Sie kamen in einen richtigen Sammeleifer“, berichtete sie. Das Forstwirteteam um Vorarbeiter Christian Hess baute und installierte die Hähertische. Diese wurden an geeigneten Stellen im Reilinger Eck aufgestellt, um dem schlauen Rabenvogel die Eicheln anzubieten.

Das Ziel: eine so genannte Hähereiche, die sich aus einer vom Eichelhäher versteckten Eichel entwickelt hat

Erste Erfolge können schon vermeldet werden: Beim Fototermin, der drei Tage nach dem Aufstellen stattfand, wurde das Team von lauthals rufenden Hähern aufgefordert, ihren Vespertisch gefälligst in Ruhe zu lassen. Gesagt – getan.

Revierförster Gunter Glasbrenner freut sich mit den Forstwirten Marcel Greulich, Tobias Ritt, Vorarbeiter Christian Hess und Waldpädagogin Sabrina Ehnert über die Hähertische (Fotos: Forst)

Fortsetzung folgt …

Im nächsten Jahr will das Forstrevier die Aktion fortsetzen und wird dazu auch alle Interessierten aufrufen, sich an der Eichelnsammlung zu beteiligen, um die dann noch zahlreicheren Hähertische zu befüllen. Auch Bucheckern und Nüsse der Baumhasel verschmäht der Eichelhäher übrigens nicht und sie sind auf den Hähertischen ebenfalls willkommen.

Fotos: Forst

Quelle: Stadtverwaltung Walldorf

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