„Die Linke“ gründet Ortsverband Wiesloch-Walldorf
Am 19. September hat sich im Palatin Wiesloch der neue Ortsverband Wiesloch-Walldorf gegründet. An der Veranstaltung nahmen mehr als vierzig Gäste teil. In den Vorstand wurden Remi Förster, Franky Hund, Svenja Balcão und Damian Robin Böhm gewählt.
Zu den Gästen zählten die Landessprecherin und Bundestagsabgeordnete Sahra Mirow sowie der Wahlkreiskandidat Maris Burgermeister. Beide zeigten sich zufrieden mit der Resonanz und betonten die Bedeutung einer festen Struktur vor Ort.
Der Ortsverband Wiesloch-Walldorf ist eine von sieben Neugründungen der Partei in den vergangenen Monaten. Nach eigenen Angaben zählt die Linke bundesweit inzwischen rund 120.000 Mitglieder, in Baden-Württemberg mehr als 8.500. Mit Blick auf die anstehenden Landtagswahlen kündigte der neue Vorstand an, künftig stärker in Wiesloch und Walldorf präsent sein zu wollen.
Reaktionen in Wiesloch auf die Neugründung
Die Resonanz auf die Neugründung Ortsverband „Die Linke“ in Wiesloch-Walldorf ließ nicht lange auf sich warten. Nachdem die Rhein-Neckar-Zeitung (RNZ) ihren Artikel bei Facebook beworben hat, folgten prompt Kommentare der Leser. Aber auch ehemalige Gemeinderäte meldeten sich schriftlich zu Wort.
„Wir sollten dringend damit aufhören, eine Partei, die 45 Jahre stalinistische Diktatur zu verantworten hat und dies immer noch nicht als Unrecht einordnet, zu normalisieren. Was Van Aken, Reichinek und co fordern, ist mit einem demokratischen Rechtsstaat nicht zu vereinbaren. Die Linke weigert sich, die Ukraine in einem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg zu unterstützen. Auf dem Landesparteitag in Bayern gab es zwei antisemitische Anträge. Ein schwarzer Tag für Wiesloch.“ – schrieb der ehemalige Gemeinderat Thorsten Krings (FDP). Der ehemalige Gemeinderat Stefan Seewoester (Wählergemeinschaft Frauenweiler) antwortete darauf: „mich würde mal interessieren, wie der neue Ortsverband dazu steht?“
Ein Bürger stellt folgende Frage: „Die rechtlichen Nachfolger der S E D die Jahrzehnte lang für tote Menschen an der Innerdeutschen Grenze verantwortlich ist gibt’s jetzt auch in Wiesloch!“ – Seewoester antwortet darauf: „Bestimmt wissen das die „neuen“ Mitglieder nicht; ansonsten kann ich mir nicht erklären, wie man in eine Mörderpartei eintreten kann“. Einer Bürgerin erklärt Seewoester: „die Linke ist offizieller Rechtsnachfolger der SED! Einschließlich deren Vermögen und Netzwerk!“
Insgesamt sind die Kommentare wenig freundlich bis aggressiv feindlich
Einige ausgewählte Kommentare: „Noch so ein Kasperverein“ – „Braucht kein Mensch“ – „Zeckenplage“ – „Im PZN sind noch Zimmer frei“ – „Ganz schlimm!“ – „Da steht die Intelligenz im Gesicht geschrieben!!“ – „SED 2.0“ – „Irgendwie sieht man denen immer an, wie die ticken“ – „Ab morgen dann mit Maske und Hammer unterwegs?“ – „Unnötige Linksextremisten“ – „Die linken Faschos“ – „SED 2.0 braucht keiner! Sozialismus funktioniert nirgendwo zur Zufriedenheit der Bürger! Sagt natürlich viel über die Intelligenz der Wieslocher aus!“ – „Jetzt weiß ich auch warum die Antifa immer Masken tragen“ usw.
Die meisten Kommentare beziehen sich auf das Aussehen und Auftreten der Mitglieder der „Die Linke“ auf dem Foto, das die RNZ im Artikel veröffentlicht hat. Kommentare wie „Herzlichen Glückwunsch und viel Erfolg“ sind eher die Ausnahme. Neutral verhalten sich die wenigsten. Bis auf einige Ausnahmen wie diese:
„Letztendlich ist das Schlimmste, dass wir Menschen aufeinander los gehen, wie man hier ja auch deutlich erkennen kann! Die wirklich schuldigen und politischen Verbrecher werden weg sein! Beziehungsweise sorgen diese jetzt schon vor! Eigentlich sollte das Volk zusammen stehen und sich nicht gegenseitig zerfleischen! Aber das ist politisch gewollt, da man ja so ganz einfach jederzeit jeden lächerlich machen kann und gleichzeitig etwas schwächt, was sehr gefährlich für gewisse Menschen werden kann! Es wurde zu Corona Zeiten geprobt und wird zum Einsatz gegen die eigene Bevölkerung kommen, was vereinzelt schon passiert!“
Nun hätte man durchaus annehmen können, dass eine linke Partei in dem links-grün dominierten Wiesloch herzlich willkommen geheißen wird. Man denke doch an deren gemeinsamen „Kampf gegen rechts“. Gemeinsames Marschieren auf „Demos gegen rechts“ in Wiesloch.
Parteienlandschaft in Wiesloch verändert sich
Die Parteienlandschaft in Wiesloch ist vielfältig. Im Gemeinderat sind CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, die Freien Wähler Wiesloch sowie mehrere örtliche Wählervereinigungen wie die Altwieslocher Liste und die Wählergemeinschaft Frauenweiler vertreten. Bei der Kommunalwahl 2024 erreichte die CDU 25,8 Prozent der Stimmen und stellt damit 7 Sitze. Die Grünen kamen auf 20,7 Prozent (6 Sitze), die SPD auf 16,2 Prozent (5 Sitze). Die Freien Wähler Wiesloch erzielten 13,8 Prozent (4 Sitze), die Wählergemeinschaft Frauenweiler 7,6 Prozent (2 Sitze), die Altwieslocher Liste 7,4 Prozent (2 Sitze) und die FDP 3,7 Prozent (1 Sitz). Auch in den Ortschaftsräten der Stadtteile Baiertal und Schatthausen sind mehrere Parteien und Listen vertreten. In Baiertal stellen CDU, SPD und die Freien Wähler die Mitglieder. In Schatthausen gehören CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und die Freien Wähler dem Ortschaftsrat an.
Die letzte Gemeinderatswahl in Wiesloch fand am 9. Juni 2024 statt. Bei dieser Wahl wurden die 26 Sitze des Gemeinderats vergeben. Die Wahlbeteiligung lag bei 59,7 %.
Die Amtszeit des neu gewählten Gemeinderats erstreckt sich über fünf Jahre, sodass die nächste Gemeinderatswahl voraussichtlich im Juni 2029 stattfinden wird. Das genaue Datum wird vom Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis festgelegt und in der Regel etwa ein Jahr vor der Wahl bekannt gegeben.
Die Parteienlandschaft in Wiesloch wird sich verändern, das scheint absehbar zu sein. Auch innerhalb der bestehenden Parteien wird es wohl weitere Veränderungen geben. Dies zeigt sich jetzt auch darin, dass beispielsweise Christian Scheuerpflug, der zehn Jahre Mitglied der Wieslocher Grünen war, nun zu den Linken gewechselt ist.
Schon zuvor gab es große Veränderungen innerhalb Bündnis 90 / Die Grünen. Gerhart Veits stand 34 Jahre lang an der Spitze der Wieslocher Grünen. Seit 1989 war er Mitglied des Stadtrats und Fraktionsvorsitzender. Doch dann folgte 2024 überraschend seinen Rücktritt von allen Ämtern und er trat aus der Partei aus. Manche Meinungen besagen, dass innerhalb des Ortsverbands der Grünen in Wiesloch regelrecht eine feindliche Übernahme stattfand. Eine Verschwörung gegen das Lager von Dr. Veits. Er selbst bezeichnete es als „üble Intrige des aktuellen OV-Vorstandes“.
Sowohl bei der Bündnis 90/Die Grünen als auch bei CDU Wiesloch verlassen langjährige Parteifunktionäre ihre bisherigen Positionen. Sie äußerten öffentlich Kritik an der Partei und ihrem Ortsverband. Der ehemalige Fraktionsvorsitzende Adrian Seidler beklagte sich in einem öffentlichen Schreiben über die Partei und den Ortsverband, für den er knapp zwei Jahrzehnte aktiv war.
Unzufriedenheit herrschte auch bei der FDP, Thorsten Krings schaffte es sogar zweimal aus der Partei auszutreten. Was auch zu einer Stellungnahme des Vorstands der FDP Wiesloch-Südliche Bergstraße führe, in der man mit Krings abrechnete. Krings wechselte zu den Freien Wählern. Bei der SPD verließ unlängst Sara Lee Holzmeier das Gremium und Gert Weisskirchen rückte in den Gemeinderat nach und komplettierte das Gremium wieder.
Ausblick
Die Entwicklungen zeigen, dass sich die Parteienlandschaft in Wiesloch sowohl durch Wahlergebnisse als auch durch interne Personalveränderungen im Wandel befindet. Ob und wie sich dies auf die politische Arbeit im Gemeinderat auswirken wird, bleibt in den kommenden Jahren zu beobachten.
Es erscheint zunehmend wahrscheinlich, dass die Alternative für Deutschland (AfD) in naher Zukunft einen Ortsverband in Wiesloch gründet. Bundesweit zeigt die AfD einen kontinuierlichen Aufwärtstrend. Laut einer aktuellen Umfrage vom 23. September 2025 liegt die Partei bei 26 % Zustimmung und hat damit die Union (CDU/CSU) überholt, die auf 24,5 % kommt. Die SPD folgt mit 14,5 %, während die Grünen bei 11 % liegen.
Sollte die AfD in Wiesloch einen Ortsverband gründen, ist mit unterschiedlichen Reaktionen zu rechnen. Befürworter könnten die Gründung als Ausdruck demokratischer Vielfalt und als Möglichkeit für eine breitere politische Diskussion sehen. Gegner hingegen könnten die AfD als rechtspopulistisch oder extremistisch einstufen und entsprechende Gegenmaßnahmen in Erwägung ziehen.
Insgesamt deutet der bundesweite Trend darauf hin, dass die AfD weiterhin an Unterstützung gewinnt. Die Reaktionen auf eine mögliche Gründung eines Ortsverbands in Wiesloch werden zeigen, wie sich die politische Landschaft auf lokaler Ebene weiterentwickelt.
Obwohl „Die Linke“ in Wiesloch derzeit ebenso wie AfD keine nennenswerte politische Präsenz hat, gibt es regionale und demografische Faktoren, die in Zukunft Chancen für die Partei bieten könnten. Ein aktiverer Aufbau des Ortsverbands und die Teilnahme an kommenden Wahlen könnten dazu beitragen, die politische Landschaft in Wiesloch weiter zu diversifizieren.
Das politische Klima in Wiesloch ist vielfältig, mit einer Mischung aus etablierten Parteien und lokalen Wählervereinigungen. Eine weitere politische Stimme könnte auf Interesse stoßen, insbesondere bei Wählern, die sich von den etablierten Parteien nicht ausreichend vertreten fühlen.





