Während im Landtag heute die Sternsinger empfangen wurden, startete nur wenige Kilometer entfernt im Stuttgarter Justizviertel ein Prozess, der für erhebliches Aufsehen im Südwesten sorgt. Ein 47-jähriger Polizeihauptmeister des Präsidiums Aalen muss sich seit heute Morgen vor dem Landgericht verantworten. Der Vorwurf wiegt schwer: Er soll sensible Informationen aus Polizeisystemen direkt an Kreise der italienischen Mafia weitergegeben haben.
Datenabfragen für die ‚Ndrangheta?
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beamten vor, seine Dienstbefugnisse missbraucht zu haben, um der kalabrischen Mafia-Organisation ‚Ndrangheta zuzuarbeiten. Konkret geht es um Vorfälle aus der Vergangenheit, die nun im Rahmen groß angelegter Ermittlungen vor Gericht kommen. Der Polizist soll Informationen zu Autokennzeichen und Personendaten abgerufen und diese an Kontaktmänner weitergeleitet haben.
Besonders brisant: Die Abfragen standen offenbar im Zusammenhang mit einer versuchten Erpressung Stuttgarter Gastronomen. Durch die Informationen aus dem Polizeicomputer konnten die Hintermänner prüfen, ob gegen sie bereits wegen eines Angriffs auf ein italienisches Restaurant ermittelt wurde.
Betrug mit Phantomfirmen in Fellbach
Parallel zu diesem Verfahren startete ein weiterer Prozess gegen einen mutmaßlichen Mafioso, der die wirtschaftliche Schlagkraft der Organisation im Raum Stuttgart verdeutlicht. Es geht um gewerbsmäßigen Betrug in 35 Fällen. Die Masche war perfide: Die Verdächtigen gaben sich gegenüber ausländischen Firmen als seriöse deutsche Lebensmittelgroßhändler aus und bestellten Waren im Wert von über 330.000 Euro – darunter Maschinen zur Pizzaherstellung und große Mengen Lebensmittel.
Die Lieferungen gingen an ein fiktives Lager in Fellbach und wurden von dort aus an Stuttgarter Gastronomen weiterverkauft. Laut Anklage wussten viele der Käufer um die kriminelle Herkunft der Waren, griffen aber aus Angst vor Repressalien der Mafia dennoch zu.
Ein Schlag für das Vertrauen in die Polizei
Für das baden-württembergische Innenministerium kommt dieser Prozess zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. In einem Jahr, das von der Landtagswahl im März geprägt ist, rütteln Berichte über „Maulwürfe“ in den eigenen Reihen am Vertrauen in die Exekutive. Die Verteidigung des Polizisten betonte zum Prozessauftakt, dass die Vorwürfe differenziert betrachtet werden müssten, doch die Beweislast durch sichergestellte Chatverläufe scheint erdrückend.
Verwendete Quellen:
- Landtag Baden-Württemberg: Mafia-Prozesse in Stuttgart – Polizist unter Verdacht
- SWR Aktuell: Prozessauftakt gegen Polizeibeamten wegen Geheimnisverrats
- Stuttgarter Zeitung: ‚Ndrangheta-Ermittlungen und die Spur nach Aalen
- Innenministerium BW: Maßnahmen gegen organisierte Kriminalität im Südwesten





