Bezahlbarer Wohnraum wird zum Engpass für junge und ältere Menschen
Der Wohnungsmarkt im Rhein-Neckar-Kreis gerät zunehmend unter Druck – mit spürbaren Folgen für Auszubildende. Nach Angaben der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) lebt ein erheblicher Teil der rund 7.470 Azubis weiterhin im Elternhaus. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus finanzieller Not. „Viele können sich eine eigene Wohnung schlicht nicht leisten“, sagt Wolfgang Kreis, Bezirksvorsitzender der IG BAU Nordbaden. Grundlage dieser Einschätzung ist der aktuelle „Soziale Wohn-Monitor“ des Pestel-Instituts.
Hohe Mieten gefährden Ausbildungschancen
Die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt wirkt sich zunehmend auch auf die Berufsausbildung aus. Immer häufiger scheitern Ausbildungsverträge daran, dass junge Menschen keinen bezahlbaren Wohnraum in der Nähe ihres Ausbildungsbetriebs finden. „Wenn Jugendliche weder eine Wohnung noch ein WG-Zimmer bezahlen können, wird Ausbildung zur Kostenfrage“, warnt Kreis. Für die regionale Wirtschaft sei diese Entwicklung alarmierend und langfristig nicht tragbar.
Unterstützung für Azubis und Studierende gefordert
Die IG BAU sieht Bund und Land Baden-Württemberg in der Pflicht, gegenzusteuern. Gefordert wird vor allem der gezielte Neubau von Azubi-Wohnungen in der Nähe größerer Ausbildungsstandorte. Zusätzlich plädiert die Gewerkschaft für steuerliche Vorteile für Betriebe, die ihren Auszubildenden Wohnraum zur Verfügung stellen. Auch Studierende seien von steigenden Mieten betroffen. In Hochschulstädten müsse daher der Neubau von Studierendenwohnungen stärker gefördert werden.
Wenn Wohnen im Alter unbezahlbar wird
Nicht nur junge Menschen stehen unter Druck. Die IG BAU Nordbaden warnt vor wachsender Wohnarmut im Alter. Im Rhein-Neckar-Kreis betrifft dies vor allem die geburtenstarken Jahrgänge: Rund 72.200 Baby-Boomer werden bis 2035 vollständig in Rente sein. Viele von ihnen müssen mit niedrigen Renten auskommen – oft als Folge von Arbeitslosigkeit oder jahrelanger Beschäftigung im Niedriglohnbereich. „Für etliche wird die bisherige Wohnung im Ruhestand kaum noch finanzierbar sein“, so Kreis.
Sozialwohnungen als Schlüssel zur Entlastung
Angesichts weiter steigender Mieten fordert die IG BAU ein Umdenken in der Wohnungspolitik. Sinkende und dauerhaft bezahlbare Mieten seien nur mit einem deutlich größeren Angebot an Sozialwohnungen zu erreichen. Mehr günstiger Wohnraum könne spürbaren Druck auf den gesamten Mietmarkt ausüben und so für Entlastung sorgen.
Konkrete Ausbauziele bis 2035
Der „Soziale Wohn-Monitor“ des Pestel-Instituts setzt klare Maßstäbe: Bundesweit soll sich der Bestand an Sozialwohnungen bis zur Mitte des nächsten Jahrzehnts verdoppeln – von einer auf zwei Millionen. Für Baden-Württemberg bedeutet das einen Bedarf von insgesamt 224.400 Sozialwohnungen bis 2035. Um dieses Ziel zu erreichen, müssten jährlich rund 19.200 neue Sozialwohnungen entstehen.
Förderung, Baukosten und Transparenz
Damit der notwendige Ausbau gelingt, fordert die IG BAU eine verlässliche und frühzeitige finanzielle Unterstützung durch Bund und Land. Fördermittel müssten bereits zum Baubeginn vollständig bereitstehen. Zudem könne der Standard „Erleichtertes Bauen“ helfen, Kosten zu senken und mehr Wohnraum zu schaffen. Ergänzend fordert die Gewerkschaft eine landesweite Statistik, die transparent macht, wo und in welchem Umfang neue Sozialwohnungen gebaut werden.
Text und Foto: IG BAU / Pressemitteilung







