Rückkehr der Riesenschildkröten rückt näher
Auf dem Gelände des Zoo Heidelberg schreiten die Arbeiten am neuen Schildkrötenhaus zügig voran. Nachdem der Rohbau erfolgreich abgeschlossen wurde, startet nun die nächste Bauphase. Mit dem neuen Gebäude entsteht nicht nur ein modernes Zuhause für zahlreiche Tierarten, sondern auch ein ganzjährig zugänglicher Erlebnisbereich, der sich intensiv mit den Folgen des Klimawandels beschäftigt. Zu den künftigen Hauptattraktionen zählen die vier Aldabra-Riesenschildkröten, die nach Abschluss der Bauarbeiten nach Heidelberg zurückkehren werden.
Vom Sturmschaden zum modernen Neubau
Noch vor wenigen Monaten befand sich an der Stelle des heutigen Gebäudes eine Baugrube. Nun ist der Rohbau fertiggestellt und das neue Schildkrötenhaus nimmt immer mehr Gestalt an.
Hintergrund des Neubaus ist ein schwerer Sturmschaden aus dem Februar 2022. Damals zerstörte ein umgestürzter Baum große Teile des bisherigen Schildkrötenhauses. Nach einer längeren Planungs- und Finanzierungsphase wurde das beschädigte Gebäude im Sommer 2025 abgerissen. Anschließend begannen die Erdarbeiten und die Errichtung des Neubaus.
Inzwischen steht der Massivbau. Die Außenhülle wurde aus energieeffizienten Materialien errichtet, das Betondach ist bereits fertiggestellt und wird in Kürze abgedichtet. Mit dem Beginn der Holzbauarbeiten startet nun der nächste Bauabschnitt. Danach folgen die Installation der Heizungs-, Lüftungs-, Wasser- und Elektrotechnik.
Viele Beteiligte arbeiten Hand in Hand
Nach Angaben von Zoo-Architektin Silke Hendel steckt hinter dem vergleichsweise kompakten Gebäude eine Vielzahl technischer Anforderungen.
Mehrere Fachplanungsbüros sowie rund 20 verschiedene Gewerke seien an dem Projekt beteiligt. Die zahlreichen Arbeitsschritte müssten sorgfältig koordiniert werden, damit alles reibungslos ineinandergreift. Umso erfreulicher sei es, dass der Baufortschritt inzwischen deutlich sichtbar werde.
Zoo-Team baut selbst mit
Nicht alle Arbeiten werden von externen Firmen übernommen. Zahlreiche Aufgaben erledigt das Zoo-Team in Eigenleistung.
So entstehen die künstlichen Felslandschaften für die Tieranlagen direkt vor Ort. Gemeinsam mit Bundesfreiwilligendienstleistenden fertigen die Zoo-Handwerker die Anlagen aus Spritzbeton an. Die jungen Helfer konnten die dafür notwendigen Techniken bereits bei früheren Projekten im Zoo kennenlernen und weiter ausbauen.
Klimawandel steht im Mittelpunkt
Inhaltlich widmet sich das neue Schildkrötenhaus den Auswirkungen des Klimawandels auf Tiere und ihre Lebensräume. Besucherinnen und Besucher sollen künftig anhand verschiedener Tierarten nachvollziehen können, welche Veränderungen weltweit bereits stattfinden.
Vier Themenbereiche bilden dabei den Schwerpunkt der Ausstellung:
Die Aldabra-Riesenschildkröten stehen für bedrohte Inselökosysteme, die durch den steigenden Meeresspiegel zunehmend unter Druck geraten.
Ein weiterer Bereich beschäftigt sich mit Gebirgsregionen, in denen viele spezialisierte Tierarten infolge steigender Temperaturen immer weiter in höhere Lagen ausweichen müssen.
Mit Arten wie dem Italienskorpion oder dem Mauergecko wird gezeigt, wie manche Tiere vom Klimawandel profitieren und sich als sogenannte Neozoen in neue Lebensräume ausbreiten können.
Der vierte Bereich thematisiert die Folgen von Dürren und Hitzewellen für heimische Arten. Dabei stehen unter anderem Wechselkröten, Gelbbauchunken und Eurasische Zwergmäuse im Mittelpunkt, deren Lebensräume zunehmend austrocknen.
Insgesamt werden neun Terrarien die verschiedenen Themen anschaulich und lebendig vermitteln.
Mehr als zehn Tierarten ziehen ein
Neben den Riesenschildkröten sollen künftig mehr als zehn weitere Tierarten im neuen Schildkrötenhaus leben. Geplant sind verschiedene Reptilien, Amphibien und wirbellose Tiere, die die einzelnen Themenbereiche ergänzen und die Auswirkungen des Klimawandels aus unterschiedlichen Blickwinkeln verdeutlichen.
Riesenschildkröten sollen zurückkehren
Ein besonderer Höhepunkt wird die Rückkehr der vier Aldabra-Riesenschildkröten sein. Seit dem Sturmschaden sind die Tiere vorübergehend im Zoo Prag untergebracht.
Nach Fertigstellung des Neubaus erwartet sie in Heidelberg eine großzügige Innenanlage mit konstant tropischem Klima zwischen 22 und 25 Grad Celsius. Zur Ausstattung gehören moderne UV-Strahler, eine Luftbefeuchtungsanlage sowie ein großes Badebecken. Ergänzt wird die Anlage durch einen Außenbereich.
Ganzjähriger Besuchermagnet
Für Zoodirektor Dr. Klaus Wünnemann ist das neue Schildkrötenhaus weit mehr als ein Ersatzbau.
Das Gebäude werde künftig ganzjährig spannende Tierbeobachtungen ermöglichen und insbesondere in den Wintermonaten die Aufenthaltsqualität für Besucher deutlich verbessern. Gleichzeitig biete das Haus die Möglichkeit, den Tierbestand um zahlreiche interessante Arten zu erweitern und wichtige Themen rund um den Klimawandel verständlich und erlebbar zu vermitteln.
Mit dem Neubau entsteht somit ein weiterer wichtiger Baustein für die Zukunft des Zoo Heidelberg – sowohl für die Tiere als auch für die Besucherinnen und Besucher.
Text und Foto: Zoo Heidelberg







