Drei Wochen vor dem Start der Bundesliga-Saison 2026/27 richtet sich der Blick wieder auf den deutschen Ligaalltag. Die Euphorie rund um die Ergebnisse der Weltmeisterschaft 2026 ist inzwischen abgeklungen, nun rückt die neue Spielzeit in den Mittelpunkt. Am 28. August eröffnet der FC Bayern München als amtierender Meister die 64. Bundesliga-Saison gegen den VfB Stuttgart. Der Spielplan wurde bereits vollständig veröffentlicht, die ersten vier Spieltage sind zeitgenau terminiert.
An der Spitze spricht zunächst wenig dafür, dass Bayern München seine Favoritenrolle abgeben muss. Die Mannschaft von Vincent Kompany dominierte die vergangene Bundesliga Saison deutlich und wurde mit 89 Punkten Meister. 122 erzielte Tore und eine Tordifferenz von +86 unterstreichen, wie groß der Abstand zur Konkurrenz war. Borussia Dortmund folgte mit 73 Punkten, RB Leipzig wurde mit 65 Zählern Dritter.
Auch personell hat Bayern keinen Anlass, seine Zielsetzung zu verändern. Mit Ismael Saibari kam ein offensiv ausgerichteter Spieler vom PSV Eindhoven hinzu, zudem kehrten mehrere verliehene Spieler zurück. Gleichzeitig endeten unter anderem die Verträge von Leon Goretzka und Raphaël Guerreiro. Der Kader befindet sich damit weiterhin in einem kontrollierten Umbau, ohne dass die grundsätzliche sportliche Hierarchie ins Wanken geraten dürfte.
Der erste Gegner ist allerdings keineswegs zufällig ein interessanter Prüfstein. Stuttgart belegte in der vergangenen Saison Rang vier und holte 62 Punkte. Und nicht nur mit starken Bundesliga Ergebnissen machte der VfB auf sich aufmerksam: Erst im Finale des DFB-Pokals musste sich der VfB ausgerechnet gegen Bayern mit 0:3 geschlagen geben. Das Auftaktspiel am 28. August um 20.30 Uhr ist deshalb mehr als nur eine formale Saisoneröffnung: Stuttgart kann früh zeigen, ob die Mannschaft erneut in der Spitzengruppe bestehen kann.
Der erste Herausforderer hinter Bayern dürfte erneut Dortmund sein. Der BVB hat mit Niko Kovač einen Trainer, der die Mannschaft nach dem schwierigen Start der Saison 2025/26 stabilisierte und noch zur Vizemeisterschaft führte. Dortmund erzielte mit 73 Punkten die beste Ausbeute seit der Saison 2018/19 und besitzt mit Serhou Guirassy weiterhin einen zentralen Faktor im Angriff. Die Vorbereitung begann mit einer Mischung aus etablierten Kräften und Nachwuchsspielern, während mehrere WM-Teilnehmer zunächst noch fehlten.
Dahinter ist die Situation weniger eindeutig. Leipzig hat sich nach einem Jahr ohne Champions League zurück in die Königsklasse gespielt, gleichzeitig aber den Trainer gewechselt. Martín Demichelis folgte im Sommer auf Ole Werner, der Leipzig auf Rang drei geführt hatte. Der neue Coach muss also eine Mannschaft weiterentwickeln, die bereits erfolgreich war, ohne deren jüngste Entwicklung zu gefährden. Mit Rocco Reitz und dem erneut ausgeliehenen Brajan Gruda wurde das Team gezielt ergänzt.
Auch Bayer Leverkusen gehört trotz des enttäuschenden sechsten Platzes der Vorsaison zu den Kandidaten für die oberen Tabellenregionen. 59 Punkte waren deutlich weniger als in den beiden Jahren zuvor, hinzu kommt erneut ein Trainerwechsel. Carles Martínez Novell hat Kasper Hjulmand abgelöst und steht damit vor seiner ersten Bundesliga-Saison. Der Spanier soll Leverkusen mit einer intensiveren und stärker auf Entwicklung ausgerichteten Spielidee neu ausrichten. Das Potenzial des Kaders bleibt groß, doch gerade deshalb ist Leverkusen vor Saisonbeginn schwerer einzuschätzen als Bayern, Dortmund oder Leipzig.
Bei den Europapokalplätzen dürfte sich ein breiteres Feld formieren. Stuttgart und Hoffenheim haben in der vergangenen Saison mit Rang vier beziehungsweise fünf bewiesen, dass sie sich gegen die etablierteren Namen durchsetzen können. Hoffenheim holte 61 Punkte und lag damit nur einen Zähler hinter Stuttgart. Dahinter folgten Freiburg mit 47 und Eintracht Frankfurt mit 44 Punkten.
Für Freiburg wird die kommende Saison allerdings zur besonderen Belastungsprobe. Der Sport-Club erreichte in der vergangenen Spielzeit das Europa-League-Finale und sicherte sich über Rang sieben die Teilnahme an der Conference-League-Qualifikation. Die Mannschaft von Julian Schuster muss damit erneut eine Saison mit zusätzlicher internationaler Belastung bewältigen. Das könnte die Chancen auf einen weiteren Vorstoß nach oben schmälern. Gleichzeitig hat Freiburg seine Wettbewerbsfähigkeit auf hohem Niveau bereits unter Beweis gestellt.
Auch Frankfurt, Mainz und Augsburg dürfen zumindest auf einen Angriff auf die europäischen Plätze hoffen. Die Ausgangslage ist allerdings deutlich enger als im Kampf um die Meisterschaft. Frankfurt war mit 44 Punkten nur drei Zähler von Freiburg entfernt, Mainz folgte mit 40 Punkten. Entscheidend wird sein, welche Mannschaften ihre Leistungen aus der Vorsaison stabilisieren und welche Klubs von Formschwankungen der direkten Konkurrenten profitieren können.
Besondere Aufmerksamkeit gilt den drei Aufsteigern. Schalke 04 kehrt als Meister der 2. Bundesliga zurück, Paderborn setzte sich in der Relegation gegen den VfL Wolfsburg durch und Elversberg feierte nach einer außergewöhnlichen Entwicklung erstmals den Sprung in die höchste deutsche Spielklasse. Für alle drei ist der Klassenerhalt zunächst das vorrangige Ziel. In den vergangenen sieben Bundesliga-Saisons schafften allerdings zehn von 15 Aufsteigern den direkten Klassenerhalt. Die Aufgabe ist schwierig, aber keineswegs zwangsläufig mit dem sofortigen Wiederabstieg verbunden.
Elversberg erwartet gleich zum Auftakt eine der anspruchsvollsten Aufgaben überhaupt: Bayer Leverkusen gastiert im Saarland. Für den kleinsten Standort der Bundesliga ist allein dieser Rahmen außergewöhnlich. Sportlich wird es darauf ankommen, ob die Mannschaft ihre offensive Identität auch gegen deutlich individuell stärkere Gegner beibehalten kann. Paderborn startet bei Mainz und hat damit ebenfalls direkt einen Gegner vor sich, der sich im Mittelfeld der Liga etablieren will. Schalke reist am Sonntag zu Augsburg.
Der erste Spieltag bietet damit bereits mehrere interessante Konstellationen. Neben Bayern gegen Stuttgart trifft RB Leipzig auf Borussia Mönchengladbach, Dortmund empfängt den Hamburger SV und Freiburg spielt gegen Werder Bremen. Union Berlin startet gegen Eintracht Frankfurt, Köln gegen Hoffenheim und Mainz gegen Paderborn. Komplettiert wird der Spieltag am Sonntag durch Augsburg gegen Schalke.
Noch bleiben drei Wochen bis zum ersten Anpfiff. Die entscheidenden Transfers können sich bis dahin weiter verändern, und auch die WM-Teilnehmer werden erst nach und nach vollständig in die Saisonvorbereitung zurückkehren. Dennoch zeichnet sich die Hierarchie bereits ab: Bayern geht als klarer Favorit ins Rennen, Dortmund besitzt die besten Voraussetzungen, Bayern erneut herauszufordern, während Leipzig, Stuttgart und Leverkusen um die Positionen dahinter kämpfen.
