StartAktuell„Zimmermann des Waldes“ – Der Schwarzspecht im Odenwald

„Zimmermann des Waldes“ – Der Schwarzspecht im Odenwald

Der Schwarzspecht: Ein wichtiger Bewohner des Waldes

Wer aufmerksam durch den Wald geht, kann gelegentlich ein deutliches Trommeln hören. Dahinter steckt meist keine musikalische Darbietung, sondern ein Schwarzspecht bei der Nahrungssuche oder beim Bau einer Baumhöhle. Dabei bringt er es auf bis zu 17 Schläge pro Sekunde.

Ein auffälliger Vogel

Der Schwarzspecht ist der größte Specht Europas. Er ist ungefähr so groß wie eine Krähe und erreicht von Kopf bis Schwanz eine Länge von bis zu 50 Zentimetern. Sein Gefieder ist mattschwarz. Auffällig ist lediglich der rote Scheitel auf dem Kopf. Der Schnabel ist weiß bis gelblich gefärbt.

Auf der Suche nach Nahrung

Auf dem Speiseplan des Schwarzspechts stehen vor allem holzbewohnende Insekten. Dazu gehören Ameisen, Käfer und Hautflügler wie Holzwespen. Um an diese Nahrung zu gelangen, hackt der Specht die Rinde befallener Bäume ab und löst sie vom Stamm.

Je nach Jahreszeit frisst er außerdem Früchte und Samen, im Winter auch Ameisenhaufen. Schnecken und Gelege anderer Höhlenbrüter ergänzen seinen Speiseplan. Zudem hackt der Schwarzspecht Äste an, um den austretenden Baumsaft aufzulecken.

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Für die Suche nach Borkenkäfern ist der Specht auch für die Forstwirtschaft hilfreich. Jann Benjamin Lohe, Trainee am Kreisforstamt des Rhein-Neckar-Kreises, erklärt: „Bei der Borkenkäfersuche ist mir der Specht eine große Hilfe. Er hat genau den Riecher, wo die Käferlarven unter der Rinde sitzen. Durch seine „Spechtabschläge“ – also die Stellen am Baumstamm, an denen der Specht Rindenschuppen abschlägt – finde ich die befallenen Käferbäume viel schneller.“

Lohe absolviert ein zweijähriges Programm zur Qualifikation für den gehobenen Forstdienst und unterstützt dabei die Revierleitungen unter anderem beim Borkenkäfermonitoring.

Jedes Jahr ein neues Brutpaar

Schwarzspechte bilden jedes Jahr Paare. Gemeinsam ziehen sie ihre Brut monogam auf. Die Balz findet im Februar statt. Anschließend legt das Weibchen zwei bis sechs Eier in eine selbstgezimmerte Bruthöhle.

Nach zwölf Wochen schlüpfen die jungen Spechte. Rund vier Wochen später sind sie bereits flügge.

Alte Wälder und große Bäume

Der Schwarzspecht braucht für sein Brutrevier und seinen Lebensraum alte Wälder mit einem hallenartigen Bestandsaufbau und geschlossenem Kronendach. Seine Bruthöhle legt er bevorzugt in einer Buche oder einem anderen Baum mit glatter Rinde an.

Die Höhle befindet sich normalerweise nicht in der Baumkrone, sondern zwei bis drei Meter unterhalb des ersten Astes. Vor dem Flugloch dürfen keine Äste oder anderen Bäume stehen, da der Specht die Höhle sonst nicht anfliegen kann.

Die Höhlen können bis zu einen halben Meter tief in den Stamm reichen. Deshalb eignen sich für den Bau nur große, alte und vor allem dicke Bäume.

Viele Höhlen, aber nur wenige fertige

Der Schwarzspecht ist sehr standorttreu und bleibt meist in seinem Revier. Deshalb können an einem Standort zahlreiche Höhlenbäume zu finden sein.

Der Specht arbeitet gleichzeitig an vielen Höhlen. Trotzdem wird nur alle drei bis sieben Jahre eine davon fertiggestellt. Unfertige Höhlen lassen sich vor allem an ihrer hellen Holzfärbung und an der noch nicht erreichten Tiefe erkennen.

Ein neu angelegtes Flugloch hat zunächst eine eiförmige Form. Mit zunehmendem Alter wird es runder und grauer. Wenn der Specht eine Höhle verlässt, beginnt der Baum, den Eingang wieder zu verschließen. Nach etwa zehn Jahren kann der Höhleneingang wieder geschlossen sein. Der Hohlraum im Inneren des Stammes bleibt jedoch bestehen.

Der „Zimmermann des Waldes“

Seine besondere Bedeutung für andere Tiere hat dem Schwarzspecht den Beinamen „Zimmermann des Waldes“ eingebracht. Verlässt er eine Höhle, kann sie von etwa 60 anderen Arten genutzt werden. Sie dient ihnen als Schlaf- oder Überwinterungsplatz, als Nahrungsdepot oder als Ort zur Aufzucht der Jungen.

Zu den möglichen Nachnutzern gehören Siebenschläfer, Hohltauben, Raufußkäuze, Hornissen, Baummarder und sogar Schellenten. Viele dieser Großhöhlenbewohner sind gefährdet. Ohne die vom Schwarzspecht geschaffenen Höhlen könnten sie den Wald gar nicht besiedeln.

Die Höhle verändert sich

Welche Tiere und Organismen eine Schwarzspechthöhle später nutzen, hängt von ihrem Zustand ab. Ist sie noch gut erhalten, wird sie erneut von einem größeren Tier, einem Säugetier oder Vogel, bezogen.

Mit zunehmendem Zuwachsen verändert sich auch ihre Bedeutung. Dann werden die Höhlen zunehmend für Pilze, Käfer und Fliegen interessant. Selbst wenn der Eingang vollständig zugewachsen ist, bleibt die Höhle ein wertvolles Mikrohabitat für spezialisierte Käferarten.

Im Inneren des Stammes bildet sich dabei eine sogenannte Mulmhöhle aus verrottendem Holz.

Schutz der Höhlenbäume

Wie wertvoll die vom Schwarzspecht geschaffenen Höhlen für den Wald sind, weiß auch Fabian Ernst, Waldnaturschutzbeauftragter des Kreisforstamtes: „Jede einzelne Spechthöhle ist ein wertvolles Mosaiksteinchen im großen Lebensraum Wald. Daher liegt unser besonderes Augenmerk auf dem Schutz von Höhlenbäumen.“

Wird bei der Waldbewirtschaftung eine Baumhöhle entdeckt, bleibt der betreffende Baum stehen. Darüber hinaus wählen die Försterinnen und Förster über die gesamte Waldfläche verteilt Baumgruppen aus. Diese werden speziell markiert und ebenfalls dauerhaft erhalten.

Auf diese Weise soll mit verschiedenen Maßnahmen der Lebensraum des Schwarzspechtes und aller seiner Nachnutzer im Wald geschützt werden.

Text: Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis
Foto: Niels Meffert

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