Im Sommer sind Wespen häufig auf Balkonen, Terrassen und in Gärten anzutreffen. Besonders beim Frühstück im Freien oder beim Grillen kommen die Tiere mitunter in die Nähe von Lebensmitteln und Getränken. Wird ein Wespennest in der Nähe des Hauses entdeckt, kann dies zunächst beunruhigend sein.
Caroline Lamps, Leiterin für Naturschutzpolitik beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), weist jedoch darauf hin, dass ein Wespennest in den meisten Fällen kein Grund ist, die Tiere oder ihr Nest zu bekämpfen. Mit ausreichend Abstand und einigen einfachen Maßnahmen ist ein friedliches Zusammenleben über die Sommerzeit häufig möglich.
Nicht alle Wespen interessieren sich für menschliche Nahrung
Von den bei uns vorkommenden Wespenarten werden nach Angaben von Caroline Lamps nur die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris) und die Deutsche Wespe (Vespula germanica) von menschlichen Lebensmitteln und Getränken angezogen.
Die anderen Wespenarten interessieren sich nicht für menschliche Speisen und fallen deshalb häufig weniger auf. Aggressiv reagieren sie nur, wenn sie sich selbst oder ihr Nest bedroht sehen.
Woran lassen sich unterschiedliche Wespennester erkennen?
Die Nester der beiden aggressiveren Wespenarten bestehen aus muschelförmig aufgebauten Lufttaschen und sind hellbraun oder grau. Sie können bis in den Winter hinein besiedelt sein.
Die Nester der harmloseren Wespenarten sind meist grau und hängen frei. Sie können die Größe eines Fußballs erreichen. Ab Mitte August sind diese Nester meist bereits verlassen.
Erdwespen bauen ihre Nester an höhlenartigen und dunklen Orten, beispielsweise in verlassenen Maulwurfs- oder Mäusehöhlen. Die Tiere sollten nicht aufgescheucht werden. Um die Nester besser sichtbar zu machen, können sie gekennzeichnet werden.
Wespennester nicht selbst entfernen
Alle Wespenarten sind über das Bundesnaturschutzgesetz geschützt. Wespen erfüllen wichtige Aufgaben in den Ökosystemen. Sie bestäuben Pflanzen, beseitigen Aas und ernähren sich von Insekten wie Blattläusen und Mücken.
Wespennester dürfen deshalb nur in besonderen Fällen und durch Fachleute entfernt werden. Es sollte nicht versucht werden, ein Nest selbst zu entfernen oder die Tiere beispielsweise mit Sprays zu bekämpfen.
In begründeten Ausnahmefällen können Wespennester umgesiedelt werden. In diesem Fall können die Umweltbehörde der jeweiligen Kommune oder das Naturschutzamt der Region kontaktiert werden. Expertinnen und Experten kümmern sich dann in begründeten Fällen um eine giftfreie Umsiedlung.
Mit einfachen Maßnahmen friedlich zusammenleben
Auch wenn sich ein Wespennest direkt im Bereich eines Balkons oder Hauses befindet, ist eine Umsiedlung nicht zwangsläufig erforderlich. Eine Möglichkeit besteht darin, eine Blende als Sichtschutz anzubringen.
Diese sollte mit einem Abstand von etwa zehn Zentimetern unterhalb des Nestes befestigt werden. Dadurch können die Wespen menschliche Bewegungen weniger wahrnehmen und fühlen sich nicht bedroht. Ein altes Bettlaken oder eine Tischdecke kann dafür verwendet werden.
Wichtig ist, die Flugbahn der Wespen nicht abzuschneiden, damit die Tiere nicht versehentlich eingesperrt werden.
Tipps für einen möglichst ungestörten Aufenthalt im Freien
Wer möglichst ungestört Zeit im Garten, auf dem Balkon oder auf der Terrasse verbringen möchte, kann einige einfache Maßnahmen beachten:
- Lebensmittel und Getränke im Freien abdecken.
- Essensreste und Abfälle zügig wegräumen.
- Vor dem Trinken aus Dosen oder Flaschen kontrollieren, ob sich eine Wespe darin befindet.
- Fallobst rund um Sitz- und Aufenthaltsbereiche regelmäßig entfernen oder an eine ruhigere Stelle im Garten bringen.
- Fliegengitter an Fenstern können verhindern, dass Wespen ins Haus gelangen.
Alte Wespennester hängen lassen
Wespen besiedeln verlassene Nester nicht erneut. Außerdem bauen sie keine neuen Nester in unmittelbarer Nähe eines alten Nestes.
Daher kann es sinnvoll sein, ein verlassenes Wespennest hängen zu lassen, um eine erneute Besiedlung an derselben Stelle zu verhindern.







