In unserer hektischen Zeit sehen wir alle uns hin und wieder nach Entschleunigung. Nichts ist dafür besser geeignet als eine Reise mit der Bahn. Mit dem Eurostar kommt man sehr schnell und unkompliziert nach London. Wenn man Wales besuchen will, fährt man dann nach Birmingham (eine Stadt die deutlich besser ist als ihr Ruf) und von dort in die mittelalterliche Marktstadt Shrewsbury.
Shrewsbury ist eine der schönsten und am besten erhaltenen historischen Marktstädte Englands. Die Stadt liegt in Shropshire, nur wenige Kilometer von der walisischen Grenze entfernt, und wird fast vollständig von einer großen Flussschleife des Severn umschlossen. Diese besondere Lage hat die mittelalterliche Stadtstruktur weitgehend bewahrt.
Das Herzstück Shrewsburys sind die engen, gewundenen Gassen und die zahlreichen schwarz-weißen Fachwerkhäuser aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Viele Gebäude stehen schief und geneigt – ein typisches Merkmal der Stadt. Besonders reizvoll sind Straßen wie Butcher Row, Fish Street, Bear Steps und die Wyle Cop, die als eine der längsten Straßen mit unabhängigen Geschäften in Großbritannien gilt. Hier findet man Boutiquen, Cafés, Pubs und Spezialitätengeschäfte

Von Shrewsbury geht es dann über Bangor und Llandudno über die nordwalisische Küste nach Chester – die North Wales Coast Line gehört zu den schönsten Bahnstrecken Europas.

Ab Shrewsbury fahren die Züge zunächst Richtung Küste. Die Gleise verlaufen hier nahe am Wasser und bieten immer wieder Ausblicke auf Strände, Dünen und die Berge von Snowdonia im Hintergrund. Besonders markant sind die Vorbeifahrt an Conwy mit der Burg und der historischen Röhrenbrücke.
Die Universitätsstadt eignet sich gut für eine kurze Pause. Der Bahnhof liegt zentral, und ein Spaziergang zum Pier oder der Blick über die Menai-Straße nach Anglesey lohnen sich. Bangor wirkt ruhig und unaufgeregt – ideal, um den Küstencharakter der Region aufzunehmen.

Von Llandudno Junction sind es nur wenige Minuten in den klassischen Seebadeort. Llandudno besticht durch seine viktorianische Promenade, die lange Pier und den Great Orme. Viele Reisende nutzen den Halt für einen Strandspaziergang oder einen Kaffee mit Meerblick, bevor sie die Fahrt fortsetzen. Allerdings ist es in der Saison extrem voll, da auch viele Tagestouristen kommen.

Die Fahrt von Llandudno Junction nach Chester dauert in der Regel 50 bis 70 Minuten und bleibt landschaftlich abwechslungsreich.




Chester ist eine der am besten erhaltenen historischen Städte Englands und liegt direkt an der Grenze zu Wales. Die Stadt vereint römische Geschichte, mittelalterliche Architektur und eine lebendige Innenstadt auf kompaktem Raum.
Die Stadtmauern von Chester gehören zu den vollständigsten und ältesten in Großbritannien. Auf einem rund 3 km langen Rundweg kann man die gesamte Altstadt umrunden und hat dabei schöne Ausblicke auf die Kathedrale, den Fluss Dee und die umliegende Landschaft. Der Weg ist kostenlos und einer der besten Einstiege in die Stadt.
Das einzigartige Markenzeichen Chesters: zweistöckige, überdachte Galerien aus dem 13./14. Jahrhundert, die entlang der vier Hauptstraßen verlaufen. Unten und oben befinden sich Geschäfte, Cafés und Boutiquen. Nirgendwo sonst in England gibt es vergleichbare mittelalterliche Einkaufsstraßen.
Die Kathedrale verbindet romanische und gotische Architektur und besticht durch kunstvolle Schnitzereien, den Kreuzgang und die Möglichkeit, den Turm zu besteigen (mit weitem Blick bis nach Wales).
Chester war als Deva Victrix eine der wichtigsten römischen Festungen Britanniens. Sehenswert sind das größte freigelegte römische Amphitheater Großbritanniens sowie weitere Reste wie die Roman Gardens.
Ein Ärgernis auf der Reise waren jedoch die Hotels. Obschon sie eigentlich einen 3- Sterne Standard haben sollten, waren sie allesamt abgewohnt und teilweise auch einfach dreckig. Das ist eines der großen Probleme mit Reisen nach Großbritannien: man bekommt oft kein gutes Preis- / Leistungsverhältnis.
Die Zugfahrt von Shrewsbury über Bangor und Llandudno nach Chester verbindet entspanntes Reisen mit eindrucksvollen Küstenlandschaften. Sie eignet sich sowohl als Tagesausflug als auch als Einstieg in eine längere Nordwales-Tour. Wer Zeit hat, sollte die Stopps bewusst einplanen – die Strecke lebt von den Ausblicken und den kurzen Aufenthalten an der Küste.








