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Montag, Juni 27, 2022
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In der Reihe „Schwetzinger Motivbänke im öffentlichen Raum“ ist eine weitere attraktive Sitzgelegenheit für Besucher und Bürger unserer Stadt entstanden

Oberbürgermeister Dr. Pöltl weihte die Pigage-Bank am Dienstag, den 27.07.21 um 15 Uhr am Pigage-Platz ein (neben „Juwelier am Schloss Fashion“ und Hotel „Adler Post“, Ecke Schloßstr. 3/Zeyherstr.).

Die Einweihung der Bank erfolgte anlässlich des Todestags (30.07.1796) des gebürtig aus der Partnerstadt Lunéville stammenden kurfürstlichen Gartenbaudirektors Nicolas de Pigage, der sich 2021 zum 225. Mal jährt. Die Pigage-Bank wird die dort bereits existierende Tafel des Historischen Pfads zu Pigage ergänzen (vgl. Anlage) und den Namen „Nicolas de Pigage – ein Lunéviller in Schwetzingen“ tragen.

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Der Architekt Nicolas de Pigage

Nicolas Pigage wurde am 2. August 1723 in der lothringischen Stadt Lunéville geboren. Wahrscheinlich erlernte er bei seinem Vater Anselm Pigage, der selbst Architekt war, die nötigen Grundkenntnisse des Architektenberufes. Seine Vervollkommnung erlangte er in Paris, wo er an der Ecole Militaire den Titel eines „Capitainne effecitif des ingénieres“ anstrebte. Abgeschlossen hat er dort seine Ausbildung als Ingenieuroffizier, ähnlich wie Balthasar Neumann. 1744 wurde er Schüler der Pariser Académie Royale d’Architecture, welche er bis 1746 besuchte. Sein Lehrer dort war nicht Blondel, wie oft vermutet wurde, sondern der Abbé Charles Etienne Louis Camus.

Die Zeit bis zu seiner Anstellung in der Kurpfalz 1749 konnte bisher in der Forschung nicht geklärt werden. Möglicherweise schloß diese Zeit schon einen ersten Italienaufenthalt ein. Dies war für angehende Architekten durchaus üblich. Pigage fehlte aber für einen längeren Italienaufenthalt mit umfassenden Architekturstudien ohne Gelderwerb aber der fürstliche Sponsor. Über eine Empfehlung von Herzog Christian IV. von Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld, dem präsumtiven Nachfolger des kinderlosen Pfälzer Kurfürsten Carl Theodor, wurde Pigage am 10. Februar 1749 zum „Intendanten dero Gärthen und Wasserkünsten“ ernannt.[1] Seine Aufgabe waren vor allem bauorganisatorischer Art und hatten nichts mit Gärten und Wasserspielen zu tun. Sein Titel war vielmehr eine Verlegenheitslösung, da 1748 schon Guillaume d’Hauberat mit dem Titel eines kurpfälzischen Oberbaudirektors ausgestattet wurde. Trotz dessen Tod im Jahr 1749 wurde seine Stelle nicht sofort mit Pigage besetzt. Er durfte sich erst als Architekt in der Kurpfalz beweisen, indem ihm der Kurfürst mit einem Neubauplan für eine großangelegte Sommerresidenz in Schwetzingen betraute.

Diese Pläne und Aufrißzeichnungen, die sich heute im Reiß-Museum befinden, wurden zwar vom Kurfürsten approbiert und man begann mit Fundamentierungsarbeiten in Höhe des heutigen Arionbeckens, jedoch unterblieb die Fortführung. Die vieldiskutierten Gründe für die Unterlassung eines Neubaues in Schwetzingen scheinen jedoch hauptsächlich an der prekären finanzielle Lage der Kurpfalz gelegen zu sein. Durch das Schloßbauprojekt des Vorgängers Carl Philipp in Mannheim und die glanzvollen und teuren Festlichkeiten anläßlich der Hochzeit Carl Theodors im Januar 1742 und den Schlesischen Kriegen war man Seitens der Kurpfalz zum äußersten Sparen gezwungen. So wurde das anläßlich der Hochzeitsfeierlichkeiten eröffnete Hofopernhaus in Mannheim von Alessandro Galli da Bibiena von 1742 bis 1748 aus Kostengründen nicht bespielt.

Durch den Ausbau des Südlichen Zirkelhauses mit Festsälen, die im alten Schloß von Johann Wilhelm in Schwetzingen bisher nicht untergebracht werden konnte, hat sich die Raumfrage der Sommerresidenz etwas entspannt. Carl Theodors Neubauprojekt Schloß Benrath für Düsseldorf ab 1756 ließen die Schwetzinger Ausbaupläne von Pigage endgültig scheitern. Vielmehr entschloß sich Carl Theodor ab 1751 Pigage mit der Vervollständigung des Mannheimer Residenzschlosses zu betrauen. Dabei war Pigage beim Außenbau allerdings auf die monumentalen und nicht unbedingt akademisch korrekten Fassaden seiner Vorgänger gebunden. Nur im Innenausbau konnte Pigage sich entfalten und schuf mit dem großen Bibliothekssaal als Pendant zur Schloßkirche seine großartigste Raumschöpfung.

Vom Können Pigages überzeugt ernannte Carl Theodor ihn am 18. Februar 1752 zum Oberbaudirektor der Kurpfalz.[2] Auch für Raumgestaltungen im alten Schloßbereich von Mannheim wurde Pigage verpflichtet. Die teilweise mit Régence-Stuckdecken versehenen Prunkräume Carl Philipps wurden als Repräsentationsräume beibehalten. Für den privaten Bereich Carl Theodors wurden die drei Malereikabinette neu ausgestattet. Ebenso sollte die Kurfürstin im Erdgeschoß unter ihren Wohnräumen ein privates Appartement erhalten. Ausgeführt wurde davon nur die Privatbibliothek von Elsabeth Augusta, der einzige Raum des Mannheimer Schlosses, dessen originale Wandvertäfelungen die Kriegszerstörungen weitgehend überstanden hat.

Auch für weitere Schloßbauten in der Kurpfalz wurde Pigage herangezogen. So von Pfalzgraf Friedrich Michael von Zweibrücken Birkenfeld, Schwager der Kurfürstin Elisabeth Augusta, für sein Schloß in Oggersheim. Dort baute Pigage die bescheidenen Pavillons zu einer repräsentativen Sommerresidenz aus. Nach dem frühen Tod des Bauherren 1767 kaufte Elisabeth Augusta Schloß und Garten Oggersheim von den Erben und nicht etwa Carl Theodor, wie bisher in der Forschung angegeben wurde.[3] Nach der Geburt und dem Tod des Erbprinzen 1761 war die Ehe des Kurfürstenpaares hoffnungslos zerrüttet. Nur scheint Elisabeth Augusta selbst den Entschluß gefaßt zu haben, wenigstens im Sommer ihrem Gemahl und seinem beginnenden Mätressenwesen aus dem Weg zu gehen. Pigage besaß aber die Gabe bei beiden Eheleuten als versierter Architekt in Gunst zu stehen. So beauftragte ihn die Kurfürstin mit dem Ausbau ihrer Oggersheimer Residenz um den sog. Winterflügel. Dieser sollte es ihr ermöglichen dauerhaft in Oggersheim standesgemäß zu repräsentieren.

Weniger Glück hatte Pigage dagegen im Ausland. Mehrere Projekte für den württembergischen und baden-durlach’schen Hof für Schloßneubauten und Gartenanlagen blieben unrealisiert. In der Kurpfalz dagegen war ihm weiterhin Erfolg beschieden. So wurde Pigage 1756 zum wirklichen Rat mit Sitz und Stimme in der kurpfälzischen Hofkammer und 1762 zum Gartendirektor der kurfürstlichen Sommerresidenz Schwetzingen ernannt. Pigage begegnet uns aber nicht nur als Architekt im Innen und Außenbereich, als Gartenplaner, sondern auch als Entwerfer von Möbeln. Er empfiehlt den Ebenisten Jacob Kieser bei Hof, der Möbel nach seinen Entwürfen anfertigen soll.[4] Seine gesamten Arbeiten sollten in einem Stichwerk publiziert werden. Dazu wurden kürzlich originale Pläne von Pigage in Potsdam aufgefunden, die seine Arbeiten im Schwetzinger Theater dokumentieren. [5] Leider blieb das großangelegte Werk ein Torso. 1788 konnte Pigage zusammen mit dem Kupferstecher Christian von Mechel den Katalog der Düsseldorfer Gemäldegalerie herausgeben.[6] Es war dies der erste für eine deutsche Galerie erschienene, kritische, komplett illustrierte Galeriekatalog.

Als erfolgreicher und ehrgeiziger Architekt wollte Pigage aber eine große Kirche bauen. Dabei bot sich ihm dei Möglichkeit, als der Konvent von St. Blasien im Schwarzwald mit seinem Architekten Michel d’Ixnard über den Bau der Klosterkirche in Streit geriet, sich dort einzubringen. Trotz der Differenzen einigte sich der Konvent mit d’Ixnard und von Pigages Planungen wurde nur das Chorgitter in St.Blasien ausgeführt. Auch seine Pläne für die Frankfurter Paulskirche 1787 wurden von den dortigen Ratsherren abgelehnt. Es blieben Pigage somit nur kleinere Kirchenbauten in der Pfalz, wie in Sinsheim und der lutherischen und katholischen Kirchen in Schwetzingen.

Für seine weiteren Studien finanzierte ihm der Pfälzer Kurfürst eine halbjährige Italienreise im Winter 1767/68. Somit konnte Pigage an Ort und Stelle Eindrücke für sein neuestes Projekt, das Badhaus als privates Refugium für Carl Theodor, sammeln. In Rom wurde Pigage als Mitglied in die Academia di San Luca aufgenommen. Somit gehörte er den beiden bedeutensten Architekturakademien des 18. Jahrhunderts an, denn seit 1763 war er korrespondierendes Mitglied der Pariser Akademie.

1768 wurde Nicolas Pigage zusammen mit seinem Vater von Kaiser Joseph II. in den erblichen Adelstand erhoben.1776 gewährte Carl Theodor nochmals eine Studienreise nach Paris und England.

Mit der Übersiedelung des Hofes nach München wurden die Gelder für Bauprojekte in der Kurpfalz zunehmend knapper. Dennoch gelang es Nicolas de Pigage gerade in dieser finanzschwachen Zeit seine größten Gartenbauten in Schwetzingen zu realisieren. So entstanden das römische Wasserkastell, die Moschee und Merkurtempel, die als Projekte aber schon vor dem Wegzug Carl Theodors geplant waren. Dazu empfing Pigage vor allen Dingen Anregungen bei dem jungen Gärtner Friedrich Ludwig Sckell. Von den Bauten Pigages hat gerade das Schloß Benrath geradezu Modellcharakter erhalten. Es bildet das typische Beispiel einer Maison de Plaissance, wie sie Francois Blondel in seinem Architekturtraktat beschrieben hat. Das eingeschossige Schloß mit ausgebauten Mansarddach, das von aßen verschweigt, daß es eigentlich vier Etagen besitz und aus Gründen der Commodité im Grundriß ausgehöhlt wurde wie ein Schweizer Käse ist mit Recht das Lustschloß par excelence genannt worden.

Nicolas de Pigage besaß in Mannheim in der Oberstadt, dem bevorzugten Wohnquartier des Hofadels ein eigenes Haus in B1,10.[7] Zusätzlich bekam er im Mannheimer Schloß eine Dienstwohnung zur Verfügung gestellt. In Schwetzingen bewohnte er seit 1766 das untere Stockwerk des Gesandtenhauses. Dort verstarb Nicolas de Pigage am 30. Juli 1796.[8]


[1]       GLA Karlsruhe 213/107 vom 10.02.1749

[2]       Landesarchiv Speyer Bestand A 2 Nr. 35/2 Anstellungspatente für kurpfälzische Hofbeamte Nr. 230.

[3]       Der sächsische Gesandte berichtet unter dem Datum des 6. Juni 1768: „Madame L’Electrice ayant fait meubler la maison de compagne à Oggersheim, qu’Elle a achetée des huitieres de seu le Prince des Deux Ponts…“. SHA Dresden Geheimes Cabinett Loc 2626 Vol XXI

[4]       Wobei nicht geklärt ist, ob Pigage dabei nicht nur französische Möbelentwürfe an Kieser weiterreichte, die in sein Innenraumkonzept passten. Siehe dazu Wiese, Wolfgang: Hofschreiner und Möbellieferanten in den Residenzen Mannheim und Schwetzingen. Seite 28. In: Ein Jahrhundert Möbel für den Fürstenhof. Karlsruhe Mannheim, Sankt Petersburg 1750 bis 1850. Ausstellungskatalog des Badischen Landesmuseums Karlsruhe. Sigmaringen 1994.

[5]       Laun, Rainer: Fünf Pläne zum Schwetzinger Residenztheater. Seite 469-477. In: Mannheimer Geschichtsblätter. Neue Folge. Sigmaringen 1996.

[6]       La Galerie Electorale de Dusseldorff ou Catalogue Raisonnée et Figuré des Tableaux.

[7]       Freundlicher Hinweis von Friedrich Teutsch, Stadtarchiv Mannheim.

[8]       Die biographischen Daten aus Heber, Wiltrud: PigagesLeben und Werk. In: Ausstellungskatalog Nicolas de Pigage 1723-1797. architekt des Kurfürsten Carl Theodor. Zum 200. Todestag. Hrsg. Vom Stadtmuseum Düsseldorf. Seite 16-24. Düsseldorf 1997.

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