Mitten in Europa tobte bis in die späten Neunzigerjahre ein blutiger Bürgerkrieg, der zahlreiche Todesopfer auf beiden Seiten forderte. Vordergründig ging es dabei um den Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken.

Queen’s College Belfast, Quelle: TK

In Wirklichkeit ging es um die Identität: die Protestanten waren die Nachfahren der Kolonialisten aus England und Schottland, die Katholiken diejenigen der irischen Urbevölkerung. Man kann die Grausamkeit dieses Bürgerkriegs, der sich damals direkt vor unseren Augen abspielte, heute kaum fassen. Menschen wurden wahllos ermordet, ohne Grund inhaftiert, wurden von Femegerichten verurteilt und auch umgebracht, sie hungerten sich zu Tode und beide Seiten waren eng mit den organisierte Verbrechen verbunden. Man kann hier nicht in gut und böse unterteilen, denn beide Seiten befanden sich in einem unfassbaren Blutrausch und zu viele profitierten von diesem Bürgerkrieg. So ist eine Reise nach Belfast dann auch hauptsächlich eine Reise in die neuere britische Geschichte.

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The MAC Arts Center Belfast

Man kann eine Taxitour durch Belfast auf den Spuren des Bürgerkriegs buchen. Das ist besonders interessant, weil die Taxifahrer oft selbst Zeitzeugen sind und neben den allgemeinen historischen Informationen auch noch eigenen Erlebnisse schildern. Was man sieht, ist auch heute oft noch bedrückend: Noch immer sind Stadtviertel nach Protestanten und Katholiken unterteilt. Zwischen den Vierteln gibt es hohe Zäune und die Tore werden nachts verriegelt, so dass niemand das Gebiet betreten oder verlassen kann. Häuser haben oft Käfige über der Terrasse, damit Molotow Cocktails keine all zu großen Schäden anrichten können. Allgegenwärtig sind in Belfast vor allem die Wandmalereien, die auch sofort erkennen lassen, ob man sich in einem protestantischem oder einem katholischen Viertel befindet.

Portrait des im Hungerstreik gestorbenen IRA Anhängers Bobby Sands, der im Gefängnis saß als er zum Unterhausabgeordneten gewählt wurde und daher das Mandat nicht antreten konnte. Quelle:TK
Auch heute noch verehrt: Stephen McKeag, ein protestantischer Terrorist, der wahllos Katholiken folterte und tötete. Dass dieses Bild heute noch da ist und gepflegt wird, zeigt natürlich, dass die Terroristen immer noch einen sehr großen Einfluss haben und die Strukturen noch vorhanden sind. Quelle: TK

Diese zweistündige Tour ist auf der einen Seite natürlich sehr interessant, aber auf der anderen Seite natürlich auch beklemmend, vor allem vor dem Hintergrund, dass die meisten von uns eigentlich Zeitzeugen wären, aber doch wenig davon mitbekommen haben. Abgerundet wird diese Tour dann doch einen Besuch des Crumlin Road Gaol, das zwar aus viktorianischer Zeit stammt, aber bis weit in die Neunzigerjahre genutzt wurde. Gegenüber sieht man das ehemalige Gerichtsgebäude, das mit einem Tunnel mit dem Gefängnis verbunden ist.

Crumlin Road Gericht, Belfast. Quelle: TK

The MAC Arts Center in der Innenstadt bietet immer wieder spannende Ausstellungen zu zeitgenössischer Kunst und ist auch architektonisch sehr beeindruckend. Das Ulster Museum hat sehr umfangreiche Sammlungen zu Kunst und Geschichte. Auch hier liegt der Schwerpunkt bei Künstlern aus der Region, die man bei uns nicht kennt. Das Museum ist so umfangreich, dass man den Besuch auf mehrere Tage verteilen sollte, weil die Vielzahl der Exponate einen sonst einfach erschlägt. St. George’s Market ist eine traditionelle Markthalle, in der man regionale Lebensmittel, aber auch Kunsthandwerk kaufen kann. Es gibt dort auch Gastronomie.

Auch nach Ende des Bürgerkriegs bleiben Wandmalereien ein wichtiges Gestaltungsmittel zeitgenössischer Kunst.

Auf jeden Fall sollte man die Linen Hall, das alte Rathaus Belfasts besuchen. Auch hier findet man eine interessante Ausstellung über die Geschichte der Stadt und Nordirlands. Insbesondere das Treppenhaus ist sehr imposant.

Linen Hall, Belfast. Quelle: TK
Man sollte auf jeden Fall ein Guiness probieren, dass wegen des irischen Brauwassers ganz anders schmeckt als bei uns.
Nationalsport Rugby. Durch konfessionell gemischte Teams versucht man die Trennung zu überwinden.

Titelfoto: Paolo Trabattoni auf Pixabay

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