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Wiesloch: Gedenken an die Deportationen vor 82 Jahren mit Teilnahme zweier Holocaust-Überlebender

Gedenkveranstaltung 82 Jahre Deportation Wieslocher Juden nach Gurs

Erinnerungskultur bezeichnet den Umgang des Einzelnen und der Gesellschaft mit ihrer Vergangenheit und ihrer Geschichte. Erinnerungskulturen sind die historisch und kulturell variablen Ausprägungen von kollektivem Gedächtnis.

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Vergangenheitsbewältigung einer Stadt – Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus.

Ehemaliger Stadtarchivar Manfred Kurz

In Deutschland und Österreich wird der Begriff „Vergangenheitsbewältigung“ insbesondere für die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und seinen Ausprägungen verwendet. Hierzu gehören unter anderem Gewaltherrschaft, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Völkermord, Holocaust, Rassismus, Kriegsschuld, Mitläufertum. Die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit begann bereits unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg in den Nürnberger Prozessen und nachfolgenden Prozessen gegen die Hauptkriegsverbrecher.

In der jüngeren Literatur wird Vergangenheitsbewältigung als eine Sammelbezeichnung für Aktivitäten verstanden, mit denen sich demokratische und der Wahrung der Menschenrechte verpflichtete Gesellschaften befassen, um eine von Diktatur und Verbrechen gekennzeichnete Vergangenheit aufzuarbeiten.

Einige Impressionen der Gedenkfeier:

Am 22.10.2022 fand eine kleine Gedenkfeier an der Amarante Anlage beim Kulturhaus / Polizeirevier Wiesloch.

Im Gedenken an 45 Menschen, die Opfer der NS-Verbrechen wurden, zündete man Kerzen zum Gedenken an und verlass ihre Namen.

Die beiden Ehrengäste Paul Flagg geb. Flegenheimer (JG 1926 – deportiert 1940 Gurs / Rivesaltes Les Milles, gerettet 1942) und Joel Flegenheimer (JG 1939, deportiert 1940 Gurs / Rivesaltes, 1941 gerettet) waren aus den USA angereist, um an den diesjährigen Gedenkfeiern teilzunehmen.

Eine weitere Gedenkfeier fand einen Tag später im Palatin Kulturzentrum statt.

Siehe dazu WiWa-Lokal.de

Ein emotionales Wiedersehen nach vielen Jahrzehnten

Auch als Beobachter am Rande wird es einem warm ums Herz, wenn man zuschaut, wie zwei Menschen sich nach langer Zeit wiedersehen und aufeinandertreffen.

Paul Flagg geb. Flegenheimer war 14 Jahre als der deportiert wurde.

Paul Flegenheimer überlebte den Holocaust, wurde von einer Roten Kreuz Schwester aus dem Lager Les Milles gerettet und gelangte so zur Organisation recoostruction travail. Er wurde in einer Landwirtschaftsschule in La Roche versteckt und machte dort eine Ausbildung zum Landwirt. Nach seiner Zeit in der Schule arbeitete er als Landwirt, schloss sich wie seine Schwester ebenfalls der Resistance an und diente ab 1944 in der französischen Armee. Nach dem krieg zog er mit seiner Schwester nach Wiesloch zurück und emigrierte 1949 in die USA. Dort änderte er seinen Nachnamen in „Flagg“.

Paul Flagg geb. Flegenheimer (96) und Gertrud Oppenheimer (98)

Neben Mitgliedern der Familie Flegenheimer war auch die Familie Oppenheimer eine der Wieslocher Familie, die großes Leid erfahren musste.

Organisierte gewaltsame Übergriffe auf deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens und deren Eigentum durch den NS-Staat trennten viele Menschen voneinander. Für viele gab es kein Wiedersehen mit ihrer Familie und ihren Liebsten, ihr Schicksal führte sie in die Vernichtungslager.

Max Ludwig Oppenheimer (* 20. Oktober 1919 in Karlsruhe; † 15. August 1994 in Wiesloch) war ein deutscher Publizist, Historiker, Gewerkschafter und Politiker.

Am 10. November 1938, dem Tag nach der „Reichspogromnacht“, wurde Max Oppenheimer zusammen mit seinem Vater Leopold und seinem Bruder Hans (1921–1945) verhaftet. Leopold und Hans Oppenheimer kamen zunächst frei, während Max Oppenheimer mit dem sogenannten „Judenexpress“ in das KZ Dachau deportiert wurde. Nach vierwöchiger Haft wurde Oppenheimer entlassen, da Schweizer Verwandte sich bereit erklärt hatten, ihn aufzunehmen. Er emigrierte über die Schweiz nach Großbritannien. Oppenheimers Mutter, Vater und Bruder wurden am 22. Oktober 1940 in das Camp de Gurs und im Februar 1942 in das Internierungslager Noé deportiert. Leopold Oppenheimer starb 1943 im KZ Majdanek, Hans Oppenheimer am 17. März 1945 nach einem Todesmarsch vom KZ Auschwitz im KZ Buchenwald. Rositta Oppenheimer überlebte den Holocaust und kehrte 1946 nach Wiesloch zurück. Max Ludwig Oppenheimer kehrte 1947 zurück. Er war bis 1950 Kreissekretär der KPD und des Weiteren war er als Journalist tätig. 1984 promovierte Oppenheimer im Alter von 65 Jahren mit der Dissertation „Vermittlung des antifaschistischen Widerstandes 1933–1945 als Beitrag zur demokratischen Erziehung der jungen Generation“ zum Dr. phil. an der Universität Bremen. 1952 heiratet er seine Frau Gertrud.

Impressionen vom jüdischen Friedhof in Wiesloch:

Quellen und weiterführende Informationen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Erinnerungskultur

https://de.wikipedia.org/wiki/Vergangenheitsbew%C3%A4ltigung

https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Oppenheimer_(Publizist)

https://de.wikipedia.org/wiki/Oppenheimer_(Familie)

https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article207013275/Deutschland-1945-Die-Nazis-eine-fremde-Rasse-von-Eskimos.html

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